Der lustvoll spontane 'Heiratsmarkt'

Nachdem auf dem Gänsehäufel die Stadt Wien Badebetreiber geworden war, hielten auch Moral und Anstand auf der Insel Einzug. Entsprechend bestand das erste städtische Strandbad 'Gänsehäufel' aus drei streng voneinander abgegrenzten Badeanlagen: 'Frauen-Bad', 'Herren-Bad' und 'Familien-Bad'.

Diese strikte Trennung hatte pikante Folgen: Da in das heiß begehrte Familienbad nur Paare Einlass fanden, entwickelte sich vor dem Eingang bald so etwas wie ein lustvoll spontaner 'Heiratsmarkt'. Einzige Bedingung für das Eintreten in das Familienbad war nämlich das gleichzeitige Ankommen. Bereits am Praterstern begannen die Sondierungsblicke der Singles, die unbedingt gemischtgeschlechtlich baden wollten.

Oft war Mann in letzter Minute, direkt vor dem Kassenbereich, fündig geworden und machte 'Frau seines Bades' spontan einen Antrag. Arm in Arm durchschritten Dame und Herr als 'Last-Minute-Ehepaar' die Eingangspforte zum ersehnten Familienbad und konnten sich so dem unwiderstehlichen Genuss eines gemischten Bades hingeben!

Jugendliche mussten zum begehrten Eintritt in das Familienbad eine Körpergröße unter 1,30 Meter vorweisen, was nicht selten beim Eingang zur freiwilligen 'Erniedrigung' der jungen Badegäste führte. Die Wiener Stadtväter waren freilich vom gemischtgeschlechtlichen Baden wenig begeistert und orteten ein sittengefährdendes Vergnügen der Jugend.

 
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